Warum ist das so? – Was bedeutet das eigentlich?

Warum ist das so? – Was bedeutet das eigentlich?

Liebe Leserin, lieber Leser!

Wer lange nicht mehr im Gottesdienst war, dem sind die dortigen Abläufe nicht (mehr) so richtig vertraut.

Die Lieder, die während des Gottesdienstes gesungen werden sollen, sind auf großen Tafeln im Kirchenschiff angeschlagen. Und ein Gesangbuch gibt es am Eingang. Aber dann?

Inzwischen findet sich in den Gesangbüchern in der Bliedersdorfer Kirche ein sog. Einleger, der Neulingen und „Unsicheren“ den Ablauf erklärt bzw. mit bestimmten Texten weiterhilft.

Wer rechtzeitig vor Gottesdienstbeginn bereits auf seinem Platz sitzt, kann also schon in Ruhe schauen, was und wie passieren wird.

Egal, in welcher evangelischen Kirche Sie an einem Gottesdienst teilnehmen, der Ablauf folgt – von Ausnahmen oder bestimmten Anlässen abgesehen – immer einer festen Form.

Die einzelnen Elemente des Ablaufs, der sog. Liturgie (griech. leiturgia = öffentlicher Dienst), haben sich über Jahrtausende überliefert und gewandelt. Vielen Menschen vermittelt der feste Rhythmus Ruhe, Vertrautheit und oft auch ein Gefühl von Zusammenhalt.

Die Liturgie bestimmt, wie ein Gottesdienst gefeiert wird

Sie setzt sich aus mehreren Elementen zusammen. Viele Teile des Gottesdienstes sind selbst kleine Liturgien, zum Beispiel die Abendmahlsliturgie.

In der Regel hat die Liturgie eines Gottesdienstes vier Teile:

  • Sie beginnt mit einem Eingangsteil, in dem die Gemeinde ankommen kann und das, was sie bewegt, Freude und Sorgen, im Gebet vor Gott bringt.
  • Es folgt ein Teil mit Lesungen und Predigt, in dem die Menschen Gottes Wort und die religiöse Auslegung von Pastor*in hören.
  • Ist die Feier des Abendmahls angekündigt, folgt hier sozusagen Teil drei.
  • Den Abschluss des Gottesdiensts bildet das Fürbittengebet mit anschließendem ‚Vaterunser‘. Die Segnung „entlässt“ die Anwesenden dann in ihren Alltag.

Teile der Liturgie greifen auf Jahrtausende alte Traditionen zurück. Es gibt zum Beispiel Teile auf Griechisch und Hebräisch, also in den Sprachen des Neuen und Alten Testaments.

  • Kyrie eleison zum Beispiel ist ein Gebetsruf auf Griechisch und bedeutet „Herr, erbarme dich“.
  • Halleluja ist Hebräisch und heißt übersetzt „Lasst uns Gott loben“.
  • Gloria ist Lateinisch und bedeutet „Ehre“, es kommt zum Beispiel in dem Ruf „Ehre sei Gott“ vor.
  • Ursprünglich lateinische Gebete und Gesänge werden in evangelischen Gottesdiensten in der Regel in einer deutschen Fassung gesprochen oder gesungen, wie zum Beispiel das Vaterunser.

Einige Teile der Liturgie gehen bis auf den jüdischen Gottesdienst zurück. Zum Beispiel werden im Eingangsteil Psalmen gesprochen oder gesungen. Einige Teile der Liturgie nehmen Texte des Alten Testaments auf. Der Gesang „Heilig, heilig, heilig“, der immer vor dem Abendmahl gesungen wird,geht auf einen Text des Propheten Jesaja zurück (Jes 6,3).

In der Antike und im Mittelalter bildete sich in der westlichen, also der römischen Kirche die Feier der Messe heraus. Das war die Liturgie, die auch zur Zeit der Reformation üblich war. Luther griff auf diesen Ablauf zurück und übernahm wichtige Teile daraus.

Das „Kyrie“ und das „Gloria“ sind Teile der Eingangsliturgie und werden in der Bliedersdorfer Kirche in Form alter Wechselgesänge zwischen Pastor*in und der Gemeinde gesungen, während das Glaubensbekenntnis, das sog. Credo, üblicherweise gemeinsam gesprochen wird.

Für die Lesung, das Glaubensbekenntnis, Fürbittengebet und Vaterunser werden die Anwesenden gebeten, aufzustehen.

Früher symbolisierte das u.a., sofort bereit zu sein, loszulaufen und das Evangelium zu verkünden. Vor allem aber ist aufzustehen eine Geste des Respekts: Wenn man jemanden begrüßt, steht man ja auch auf.

Zur Liturgie gehören aber nicht nur die verschiedenen Gebete und Gesänge in einem Gottesdienst, sondern auch die liturgische Kleidung und die liturgischen Farben. Wer durch den Gottesdienst führt, wird Liturg genannt.

In den evangelischen Gottesdiensten ist das üblicherweise der Pastor/die Pastorin. Sie tragen meistens einen schwarzen Talar mit Beffchen (weißer Kragen); anstatt eines Beffchens tragen lutherische Pfarrer vor allem in Teilen Norddeutschlands und in Dänemark eine weiße tellerförmige Halskrause, den sogenannten Mühlsteinkragen.

Selbst das Kirchenjahr folgt einem eigenen Ablauf, einer eigenen Liturgie. Man kann diese an den verschiedenen liturgischen Farben über das Jahr hinweg verfolgen, mit denen Kanzel und Altar geschmückt werden: zum Beispiel Weiß für die Weihnachts- und die Osterzeit oder Lila für die Advents- und Passionszeit.

Beffchen und sog. Mühlsteinkragen

Quellenangabe: https://www.ekd.de/Liturgie-11228.htm

Haben Sie rund um einen Gottesdienst schon mal Namen gehört wie „Lätare“, „Palmarum“ oder gar „Quasimodogeniti“?

Der bekannteste unter diesen Sonntagen ist Quasimodo. Das ist der Name des Helden in Victor Hugos Romans „Der Glöckner von Notre Dame“. Der Adoptivvater des Glöckners nannte seinen Zögling so, weil er ihn am Sonntag Quasimodo Geniti auf den Stufen der Kirche Notre Dame in Paris gefunden hatte.*

Das Kirchenjahr beginnt seit Jahrhunderten mit dem 1. Advent, endet mit Totensonntag und hat drei sog. “Kreise“: Weihnachts- und Osterkreis sowie die Trinitatiszeit. In jedem Kreis finden sich entsprechend der Fest- und Feiertage sog. liturgische Farben (weiß, schwarz, grün, rot und violett). Oft finden sich diese Farben im Altarschmuck und in der (Gottesdienst-)Bekleidung von Pastor*innen wieder.

Um den Menschen Struktur im kirchlichen Alltag zu geben, wurden etwa Ende des 16. Jh. auch den Sonntagen bestimmte, jährlich wiederkehrende Namen gegeben. Diese entstamm(t)en den festgelegten Bibeltexten/Psalmen der jeweiligen Lesung im Gottesdienst. Und da viele Jahre lang Bibeltexte auf lateinisch gelesen wurden, haben sich auch nach Luthers Bibelübersetzung ins Deutsche lateinische Sonntagsnamen erhalten.

Bei www.kirchenjahr-evangelisch.de finden Sie eine ausführliche Beschreibung und können sogar eine App herunterladen, die Sie durch das Kirchenjahr begleitet.

Für das Kirchenjahr 2021/22 lauten die sonntäglichen Namen folgendermaßen:

28.11.211. Advent
05.12.212. Advent
12.12.213. Advent
19.12.214. Advent
26.12.21Weihnachten
02.01.221. So nach Weihnachten
09.01.221. Sonntag nach Epiphanias/Erscheinung des Herrn
16.01.222. Sonntag nach Epiphanias
23.01.223. Sonntag nach Epiphanias
30.01.22Letzter Sonntag nach Epiphanias
06.02.224. Sonntag vor der Passionszeit
13.02.22Septuagesimae – der 70. Tag vor Ostern
20.02.22Sexagesmae – der 60. Tag vor Ostern
27.02.22Estomihi – Sei mir ein starker Fels!
06.03.22Invocavit – Er ruft mich an!
13.03.22Reminiszere – Gedenke, Herr, …
20.03.22Okuli – Meine Augen sehen stets auf den Herrn,
27.03.22Lätare – Freuet euch, …
03.04.22Judika – Gott, schaffe mir Recht, …
10.04.22Palmarum – … nahmen sie Palmzweige …
17.04.22Ostersonntag
24.04.22Quasimodogeniti – … wie die neugeborenen Kindlein
01.05.22Misericordias Domini – … Güte des Herrn …
15.05.22Kantate – Singet dem Herrn, …
22.05.22Rogate – Betet!
29.05.22Exaudi – Herr, höre meine Stimme, …
05.06.22Pfingstsonntag
12.06.22Trinitatis – „Dreieinigkeit“
19.06.221. Sonntag nach Trinitatis
30.10.2220. Sonntag nach Trinitatis
06.11.22Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres
13.11.22Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres
20.11.22Ewigkeitssonntag/Totensonntag

(*zit. nach https://www.evangelisches-gemeindeblatt.de/lebenshilfe/wissenswertes-rund-um-das-kirchenjahr/detailansicht/die-vornamen-der-sonntage-1997/)

Im Mai ist es wieder soweit:

In der Bliedersdorfer Kirche werden Konfirmand:innen aus Horneburg, Dollern, Nottensdorf und natürlich aus unserer Kirchengemeinde konfirmiert.

Konfirmation kommt vom Lat. confirmare = bestätigen, bekräftigen.

In einem feierlichen Gottesdienst bestätigen die jungen Menschen nun selbst noch einmal, was – meist im Babyalter – Eltern und Taufpaten für sie gewünscht haben: Aufnahme in die christliche Gemeinschaft.

Natürlich wird man nicht „einfach so“ konfirmiert! Die Konfirmation setzt voraus, dass die jungen Menschen vorher am Konfirmandenunterricht teilgenommen haben.

Früher dauerte dieser meist zwei Jahre und schloss mit einer Prüfung vor der versammelten Kirchengemeinde ab. Es wurden Lieder, Gebete (Vaterunser, Glaubensbekenntnis), die 10 Gebote, etc. auswendig gelernt und mussten auf Nachfrage aufgesagt werden! Und wehe, da stand jemand vor der Gemeinde und hatte nichts zu sagen …

Inzwischen ist dieser unangenehme Teil gestrichen; in z.B. von den Konfirmand:innen gemeinsam gestalteten Aktionen (Gottesdienste) stellen sich diese sehr viel entspannter der Kirchengemeinde vor. Aufregend bleibt es allemal!

Was sich ebenfalls geändert hat: Vom Auswendiglernen weg soll heute den Jugendlichen christliches Grundwissen vermittelt werden. Fragen zum Thema Glauben sollen (und dürfen) diskutiert werden. Während früher die Eltern entschieden, dass ihr Kind konfirmiert werden soll, ist es heute das Ziel, dass der Jugendliche in der Lage ist, selbst und gewissenhaft zu entscheiden, ob er sein Glaubensbekenntnis ablegen möchte. Themen wie die Kirche allgemein, die Taufe, das Abendmahl, Fragen über Gott, Fragen zu Leben und Tod sowie der Schöpfung gehören ebenfalls zum Unterricht.

Wer sich konfirmieren lässt, zieht gemeinsam mit den anderen Konfirmand:innen, den Mitgliedern des Kirchenvorstandes und dem Pastor/der Pastorin sehr feierlich in die Kirche ein. Alle Anwesenden erheben sich dafür – manch‘ Mutter, Großmutter oder Patin rührt dieser Moment zu Tränen…

In der Predigt wird auf die gemeinsame Zeit zurückgeblickt, an die Taufe erinnert, die Bedeutung der Konfirmation benannt und gute Wünsche für den weiteren Lebens- und Glaubensweg mitgegeben.

Im Anschluss an die Predigt bekennen die Konfirmandinnen und Konfirmanden (gemeinsam mit der Gemeinde) ihren christlichen Glauben und antworten auf die Frage, ob sie an Gott den Vater, Sohn und Heiligen Geist glauben, weiterhin zur christlichen Gemeinde gehören und im Glauben wachsen wollen, mit den Worten: „Ja, mit Gottes Hilfe.“ Die Gemeinde bittet um den Heiligen Geist, der die Konfirmandinnen und Konfirmanden in ihrem Glauben stärken soll.

Höhepunkt der Feier ist die Segnung der Konfirmanden. Sie werden namentlich aufgerufen und knien am Altar nieder.

Ihren Konfirmationsspruch dürfen sich heutzutage die Konfirmand:innen selber aussuchen; früher entschied der Pastor alleine.

Taufkerzen werden evtl. noch einmal angezündet; viele Paten oder Konfirmand:innen gestalten extra eine Konfirmationskerze.

Im Rahmen der Konfirmation wird am Tage der Zeremonie gemeinsam das Abendmahl in der Kirche gefeiert, bei dem traditionell Eltern, Geschwister, Onkel, Tanten und Freunde der Familie teilnehmen. Je nach Anzahl der Jugendlichen kann das Abendmahl aber auch schon vorher in einem Extra-Gottesdienst gefeiert werden.

Nach der gemeinsamen Fürbitte für einen von Gott beschützten Lebensweg ziehen die Konfirmand:innen dann gemeinsam aus der Kirche aus. Mit einem feierlich-fröhlichen Beisammensein im Familienkreis endet dieser besondere Tag.

Mit der Konfirmation gehören die Jugendlichen offiziell zu den erwachsenen Mitgliedern der Kirchengemeinde. Sie haben die Möglichkeit, am Gemeindeleben aktiv mitzuwirken und Verantwortung zu übernehmen. Zudem sind sie nun berechtigt, ein Patenamt zu übernehmen oder sich christlich trauen zu lassen.

Und warum eigentlich immer Konfirmation rund um Ostern?

Lange galt der Palmsonntag, der Sonntag vor Ostern, als traditioneller Konfirmationssonntag, da dieser Termin mit der Entlassung der Jugendlichen aus der Volksschule und dem Beginn der Lehre zusammenfiel. Manches ändert sich eben doch nicht …

Quellenangaben: www.familie-und-tipps.de/Konfirmation; www.ekd.de/Konfirmation; www.wankheim-evangelisch.de/kirche-im-lebenslauf/konfirmation.